Muskelschmerzen – Ursachen, Muskelverspannungen und was gegen chronische Schmerzen helfen kann
Muskelschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates. Fast jeder Mensch leidet im Laufe seines Lebens unter schmerzhaften Muskelverspannungen, Rückenschmerzen oder Nackenbeschwerden. Häufig entstehen die Schmerzen nach körperlicher Belastung, langem Sitzen oder Stress. Manchmal halten die Beschwerden jedoch über Wochen oder Monate an und entwickeln sich zu chronischen Schmerzen.
Doch warum entstehen Muskelschmerzen überhaupt? Welche Rolle spielen Muskelverspannungen, verkürzte Muskeln und Fehlhaltungen? Und was kann helfen, den Teufelskreis aus Schmerzen und Verspannung zu durchbrechen?
Wie entstehen Muskelverspannungen?
Muskelverspannungen gehören zu den häufigsten Ursachen von Muskelschmerzen. Dabei bleibt ein Muskel dauerhaft angespannt und kann sich auch in Ruhe nicht vollständig entspannen.
Zu den häufigsten Auslösern gehören:
• Stress und psychische Belastungen
• langes Sitzen
• Fehlhaltungen
• einseitige körperliche Belastungen
• ungewohnte körperliche Aktivitäten
• Bewegungsmangel
• Kälte oder Zugluft
• Verletzungen
Vor allem bei langem Arbeiten am Computer oder häufigem Blick auf das Smartphone verspannen sich häufig die Nacken-, Schulter- und Rückenmuskeln.
Warum verursachen Muskelverspannungen Schmerzen?
Ein dauerhaft verspannter Muskel wird schlechter durchblutet. Dadurch gelangen weniger Sauerstoff und Nährstoffe in das Gewebe, während Stoffwechselprodukte langsamer abtransportiert werden.
Diese Veränderungen können Schmerzrezeptoren im Muskel und im umliegenden Bindegewebe reizen. Typisch sind:
• ziehende Schmerzen
• dumpfer Druckschmerz
• Muskelverhärtungen
• Bewegungseinschränkungen
• Druckempfindlichkeit
Die Schmerzen führen häufig dazu, dass Betroffene eine Schonhaltung einnehmen. Dadurch werden andere Muskelgruppen zusätzlich belastet und verspannen sich ebenfalls.
Es entsteht ein Teufelskreis:
Schmerzen → Muskelverspannung → geringere Beweglichkeit → weitere Verspannung → stärkere Schmerzen.
Ohne gezielte Behandlung oder ausreichend Bewegung kann sich dieser Kreislauf über längere Zeit aufrechterhalten.
Können verkürzte Muskeln Muskelschmerzen verursachen?
Neben Muskelverspannungen spielen auch verkürzte Muskeln eine wichtige Rolle bei chronischen Beschwerden.
Ein Muskel verkürzt sich nicht plötzlich, sondern entwickelt sich meist über Monate oder Jahre. Ursache sind häufig:
• langes Sitzen
• Bewegungsmangel
• einseitige Belastungen
• Fehlhaltungen
• mangelndes Dehnen
• unausgewogenes Krafttraining
Bleibt ein Muskel dauerhaft in einer verkürzten Position, passen sich Muskeln, Sehnen und Faszien an diese Haltung an. Die natürliche Beweglichkeit nimmt zunehmend ab.
Welche Folgen haben verkürzte Muskeln?
Verkürzte Muskeln verändern häufig die Körperhaltung.
Dadurch entstehen Fehlbelastungen an:
• Gelenken
• Bändern
• Sehnen
• Faszien
• Wirbelsäule
Gleichzeitig werden die Gegenspieler (Antagonisten) dauerhaft überdehnt und müssen ständig gegen die erhöhte Spannung arbeiten. Dadurch entstehen Schmerzen, obwohl an Gelenken oder Knochen häufig keine strukturellen Schäden vorliegen.
Viele chronische Muskel- und Gelenkschmerzen beruhen daher nicht ausschließlich auf Verschleiß, sondern auch auf funktionellen Veränderungen des Bewegungsapparates.
Typische Beispiele für verkürzte Muskeln
Verkürzter Hüftbeuger
Langes Sitzen gehört heute zu den häufigsten Ursachen für einen verkürzten Hüftbeuger.
Die Folgen können sein:
• Schmerzen im unteren Rücken
• eingeschränkte Hüftbeweglichkeit
• Hohlkreuz
• verspannte Gesäßmuskulatur
Verkürzte Wadenmuskulatur
Wenig Bewegung oder dauerhaftes Tragen von Schuhen mit erhöhtem Absatz können die Wadenmuskulatur verkürzen.
Mögliche Beschwerden:
• Achillessehnenschmerzen
• Fersenschmerzen
• eingeschränkte Sprunggelenksbeweglichkeit
• verändertes Gangbild
Verkürzte Brustmuskulatur
Viele Menschen verbringen täglich mehrere Stunden am Schreibtisch.
Dadurch entwickelt sich häufig ein Rundrücken mit nach vorne gezogenen Schultern.
Typische Beschwerden sind:
• Nackenschmerzen
• Schulterschmerzen
• Spannungskopfschmerzen
• eingeschränkte Beweglichkeit der Schulter
Stress als Ursache von Muskelschmerzen
Nicht nur körperliche Belastungen können Muskelschmerzen auslösen.
Auch psychischer Stress beeinflusst die Muskelspannung erheblich. Unter Stress aktiviert der Körper das vegetative Nervensystem und bereitet sich auf eine erhöhte Leistungsbereitschaft vor. Die Muskulatur spannt sich automatisch an.
Hält dieser Zustand über längere Zeit an, entstehen häufig chronische Verspannungen – insbesondere im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich.
Deshalb profitieren viele Betroffene zusätzlich von Entspannungsverfahren wie Atemübungen, Meditation oder progressiver Muskelentspannung.
Wann werden Muskelschmerzen chronisch?
Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn Beschwerden länger als drei Monate bestehen oder immer wieder auftreten.
Neben der ursprünglichen Ursache können sich im Nervensystem Veränderungen entwickeln, die dazu führen, dass Schmerzreize stärker wahrgenommen werden. Dieses Phänomen wird häufig als Schmerzgedächtnis bezeichnet.
Je länger Schmerzen bestehen, desto wichtiger ist eine gezielte Behandlung, um die Beweglichkeit wiederherzustellen und einer weiteren Chronifizierung entgegenzuwirken.
Was hilft bei Muskelverspannungen?
Die Schmerztherapie nach Liebscher-Bracht basiert auf der Annahme, dass die meisten Schmerzen am Bewegungsapparat durch zu hohe Spannungen in den Muskeln und Faszien entstehen. Die Durchführung erfolgt mit Hilfe von Osteopressur: Der Therapeut drückt gezielt auf bestimmte Punkte an der Knochenhaut (Alarmschmerz-Rezeptoren). Dies signalisiert dem Gehirn die Muskelspannung akut herunterzuregeln.
Das Herzstück dieser Therapie sind die sogenannten Engpassdehnungen und die Faszien-Rollmassage. Patienten erlernen Übungen, mit denen sie zu Hause eigenständig und langfristig gegen die Schmerzursache anarbeiten können.
Kann die orthomolekulare Therapie helfen?
Vitamine und Mineralstoffe steuern die elektrische Signalübertragung, die Energiegewinnung und die strukturelle Regeneration der Muskelzellen. Ohne diese Mikronährstoffe können Muskeln weder anspannen noch entspannen.
Mineralstoffe sind für die bioelektrischen Prozesse und die mechanische Bewegung des Muskels unerlässlich. Hier einige Mikronährstoffe im Detail:
• Magnesium: Es blockiert den Einstrom von Calcium in die Muskelzelle und sorgt so für die gezielte Entspannung (Relaxation) des Muskels. Ein Mangel führt zu unkontrollierten Entladungen (Muskelkrämpfen).
• Calcium: Es ist der direkte Auslöser für die Kontraktion (Anspannung). Das Nervensignal schüttet Calcium aus, wodurch sich die Muskelproteine (Aktin und Myosin) ineinander verzahnen.
• Kalium & Natrium: Diese beiden Gegenspieler regeln die Natrium-Kalium-Pumpe. Sie baut die elektrische Spannung an der Muskelzellmembran auf. Nur so kann ein Nervenreiz überhaupt am Muskel ankommen.
• Vitamin D: Es reguliert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm und dessen Einbau in die Muskelzellen. Zudem stimuliert es die Proteinsynthese und fördert direkt die Muskelkraft sowie die Koordination.
Es gibt noch viele weiter Mikronährstoffe, die sich auf den Stoffwechsel der Muskelzellen auswirken.
Wann sollte man Muskelschmerzen ärztlich abklären lassen?
Nicht jede Muskelverspannung ist harmlos. Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn:
• Taubheitsgefühle oder Lähmungen auftreten,
• Fieber oder starke Entzündungszeichen hinzukommen,
• die Beschwerden nach einem Unfall entstanden sind,
• die Schmerzen trotz Behandlung zunehmen.
So können ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen und eine gezielte Therapie eingeleitet werden.
Fazit
Muskelschmerzen entstehen häufig durch Muskelverspannungen, Fehlhaltungen, Bewegungsmangel oder verkürzte Muskulatur. Auch psychischer Stress kann die Muskelspannung dauerhaft erhöhen und Schmerzen verstärken. Bleiben die Beschwerden über längere Zeit bestehen, kann sich ein chronischer Schmerzkreislauf entwickeln, der die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
Eine frühzeitige Ursachenanalyse ist deshalb besonders wichtig. Durch gezielte Bewegung, Dehnübungen, Kräftigung, Stressreduktion und eine individuell angepasste Behandlung lassen sich viele Muskelbeschwerden deutlich verbessern und chronische Schmerzen häufig vermeiden.
Studie zur analgetische Wirkung von oralem Ibuprofen 400, 600 und 800.
In einer Studie wurde Patienten, die eine Operation am Weisheitszahn hinter sich hatten, zu ihren akuten Schmerzen über die ersten 6 Stunden befragt. Es interessierte die Autoren unter anderem „die Differenz der Schmerzintensität“, also wie sehr der Schmerz abnimmt. Zur Schmerzreduktion nahmen die Patienten verschiedene Schmerzmittel ein. Hierzu gehörten auch Ibuprofen 400, 600 und 800.
Nach Auswertung der Studie kommen die Autoren zu dem Ergebnis: „Ibuprofen-Dosen über 400 mg bei akuten Schmerzen bieten einen begrenzten analgetischen Gewinn.“ Durch Ibuprofen 400 reduzierte sich der Schmerz. Die Wirkung von Ibuprofen 600 oder 800 war aber genauso, wie die von Ibuprofen 400. Höhere Dosierungen trugen nicht zu mehr Schmerzreduktion bei, sie haben nur mehr Nebenwirkungen.
Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34655316/#:~:text=Conclusion%3A%20Ibuprofen%20doses%20above%20400,as%20clinical%20analgesic%20efficacy%20estimators
Ursache von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom)
In der Ausgabe SPEKTRUM KOMPAKT 02.26 ist ein Interview mit Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen über ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) erschienen. Die schwerste Form von Long-Covid.
Zu den Ursachen bezieht sie sich auf eine "aktuelle Veröffentlichung von Akiko Iwasaki von der Yale Universität". Die Forscher "fanden bei den betroffenen Patienten erhöhte Zytokine und Matrix-Metalloproteinasen, also Entzündungsmarker" in der Hirnflüssigkeit.
Weiterhin sieht sie einen Zusammenhang mit Autoantikörpern, die auf eine Autoimmunerkrankung als Ursache hinweisen. Es wurde eine Studie veröffentlicht, "die zeigt, dass Antikörper von ME/CFS- Patienten die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigen".
Entzündungen, eine Autoimmunerkrankung oder Störungen in den Mitochondrien kommen also als Ursache für das Chronische Fatigue-Syndrom in Frage.